Distorsionsprodukte otoakustischer Emissionen (DPOAE) sind ein etabliertes, objektives Verfahren zur Beurteilung der Funktion der äußeren Haarzellen im Innenohr. Darüber hinaus ermöglichen sie eine zuverlässige Schätzung der Hörschwelle bei Hörverlusten von bis zu etwa 50 dB HL. DPOAE stellen somit eine wichtige Ergänzung zu den subjektiven audiologischen Testverfahren dar, insbesondere bei Patienten, bei denen eine aktive Mitarbeit nur eingeschränkt möglich ist.
Bei normalhörenden Personen lassen sich DPOAE in einem breiten Frequenzbereich von etwa 500 Hz bis 10 kHz messen. Die Messung erfolgt mit definierten Primärtonpegeln, beginnend bei einem hohen Reizpegel, der schrittweise reduziert wird. Ziel ist es, die Nachweisschwelle der Emissionen zu bestimmen.
Um eine präzise Hörschwellenschätzung zu ermöglichen, wird der Zusammenhang zwischen dem Emissionspegel der DPOAE und dem eingesetzten Primärtonpegel genutzt. Dieser Zusammenhang ist näherungsweise logarithmisch. Auf dieser Basis kann die Wachstumskurve der DPOAE mittels linearer Regression extrapoliert werden. Der Schnittpunkt der Regressionsgeraden mit der Pegelachse des Primärtons liefert einen geschätzten Hörschwellenwert.
Dieser objektiv ermittelte Schwellenwert lässt sich nach Umrechnung von dB SPL in dB HL direkt in ein konventionelles Tonaudiogramm übertragen. Studien haben gezeigt, dass die so extrapolierte Hörschwelle signifikant mit dem subjektiv empfundenen Hörverlust der Patienten korreliert. DPOAE bieten somit eine verlässliche, objektive und klinisch relevante Methode zur Hörschwellenschätzung und erweitern die diagnostischen Möglichkeiten in der modernen Audiologie erheblich.