Oldenburger Messprogramme
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Sprachtests für Kinder und Erwachsene
Fortschrittliche und innovative Sprachtestverfahren im Störgeräusch bilden die Grundlage einer zeitgemäßen Hördiagnostik und stellen zugleich eine zentrale Voraussetzung für die alltagstaugliche Anpassung und Überprüfung moderner Hörsysteme dar.
Durch die Kombination mit einem zugelassenen computergestützten Audiometer und der damit möglichen adaptiven Pegel- und Signal-Rausch-Steuerung sind die Oldenburger Sprachtests besonders präzise, effizient und reproduzierbar einsetzbar. Sie erlauben eine objektive Erfassung des Sprachverstehens unter definierten und praxisnahen Hörbedingungen.
Es stehen unterschiedliche, alters- und zielgruppenspezifische Testverfahren zur Verfügung – für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, für normalhörende und schwerhörende Personen sowie für Träger von Hörgeräten und Cochlea-Implantaten. Dadurch kann die jeweilige diagnostische Fragestellung gezielt adressiert werden.
Mit dem Internationalen Matrix-Satztest steht darüber hinaus erstmals ein mehrsprachiges, standardisiertes Testkonzept zur Verfügung, das aktuell Testmaterial in rund zehn Sprachen bietet und somit auch in mehrsprachigen oder internationalen Versorgungssituationen eine vergleichbare Sprachverständnismessung ermöglicht.

Der OLSA (Oldenburger Satztest) ist ein adaptiver Matrix-Sprachtest zur Messung des Sprachverstehens im Störgeräusch und in Ruhe. Er dient der Bestimmung der Sprachverständlichkeitsschwelle (SRT, 50-%-Schwelle) und ermöglicht eine hochstandardisierte, objektive Erfassung der Hörleistung unter definierten akustischen Bedingungen.
Der OLSA ist vor allem für Jugendliche und Erwachsene geeignet, bei denen eine ausreichend entwickelte Sprachkompetenz und kognitive Leistungsfähigkeit vorausgesetzt werden kann. Durch die künstlich generierten, semantisch unvorhersehbaren Sätze werden Kontext- und Gedächtniseffekte minimiert, sodass das Testergebnis primär die sprachakustische Verarbeitung widerspiegelt.
Als Testmaterial verwendet der OLSA fünfwortige Matrixsätze mit fester Satzstruktur (z. B. Name – Verb – Zahl – Adjektiv – Objekt). Durch den geschlossenen Wortschatz, die konstante Syntax und das adaptive Verfahren erlaubt der Test eine sehr präzise und reproduzierbare Bestimmung des Sprachverstehens, weitgehend unabhängig von semantischer Vorhersagbarkeit, individuellem Wortschatz oder kognitiven Kompensationsstrategien.
Hörprobe
"Peter hat drei schwere Dosen" ohne Rauschen
"Kerstin kauft zwölf alte Blumen" mit Rauschen
Der Internationale Matrix-Satztest (Matrix Sentence Test) ist ein standardisiertes, sprachübergreifendes Testkonzept zur Messung des Sprachverstehens in Ruhe und im Störgeräusch. Er dient – analog zum Oldenburger Satztest (OLSA) – der Bestimmung der Sprachverständlichkeitsschwelle (SRT, 50-%-Schwelle) und ermöglicht eine vergleichbare, objektive Erfassung der Hörleistung unter kontrollierten akustischen Bedingungen.
Der Internationale Matrix-Satztest ist vor allem für Jugendliche und Erwachsene geeignet, bei denen eine ausreichend entwickelte Sprachkompetenz vorausgesetzt werden kann. Durch die Verwendung künstlich generierter, semantisch nicht vorhersagbarer Sätze werden Kontexteffekte minimiert, sodass das Testergebnis primär die sprachakustische Verarbeitung widerspiegelt und weniger von inhaltlichem Verständnis oder individuellen Sprachstrategien beeinflusst wird.
Als Testmaterial werden kurze Matrixsätze mit fester Satzstruktur und geschlossenem Wortschatz verwendet. Die Sätze bestehen in allen Sprachversionen aus definierten Wortkategorien (z. B. Name – Verb – Zahl – Adjektiv – Objekt), die zufällig kombiniert werden. Dadurch ist eine hohe Standardisierung und Reproduzierbarkeit gegeben, unabhängig von der jeweiligen Sprache.
Der Matrix-Satztest ist in zahlreichen sprachspezifischen Versionen verfügbar, u. a. in: Deutsch (OLSA); Englisch (britisch und amerikanisch); Französisch; Italienisch; Spanisch; Niederländisch / Flämisch; Polnisch; Finnisch; Dänisch; Schwedisch; Portugiesisch
Bei der Auswertung ist zu berücksichtigen, dass sich die Referenzwerte und Verständlichkeitsschwellen zwischen den einzelnen Sprachversionen unterscheiden können. Diese Unterschiede sind sprachbedingt (z. B. Satzmelodie, Sprechtempo, Lautstruktur) und werden durch jeweils eigene Normdaten berücksichtigt. Innerhalb einer Sprachversion sind die Ergebnisse hochgradig vergleichbar, während direkte Zahlenvergleiche zwischen verschiedenen Sprachen nur eingeschränkt sinnvoll sind.
Der OLKISA (Oldenburger Kinder-Satztest) ist ein adaptiver Matrix-Sprachtest zur Messung des Sprachverstehens im Störgeräusch. Er dient der Bestimmung der Sprachverständlichkeitsschwelle (SRT, 50-%-Schwelle) und bildet Hörbedingungen in alltagsnahen, geräuschvollen Umgebungen wie z. B. Klassenzimmern realitätsnah ab.
Der OLKISA ist besonders geeignet für Kinder, bei denen Hörmerkspanne und auditive Merkfähigkeit noch nicht vollständig entwickelt sind. Darüber hinaus kann er auch bei Erwachsenen mit eingeschränkter Hörmerkspanne oder auditiver Merkfähigkeit eingesetzt werden, da der Test eine geringe kognitive und sprachliche Belastung aufweist.
Als Testmaterial verwendet der OLKISA kurze, syntaktisch einfache Dreier-Phrasen aus den Wortkategorien Zahlwort – Adjektiv – Substantiv, z. B. „neun nasse Schuhe“, „zwei kleine Bälle“ oder „fünf rote Autos“.
Durch die feste Satzstruktur, den geschlossenen Wortschatz und die begrenzte Satzlänge ermöglicht der Test eine valide Erfassung des Sprachverstehens, weitgehend unabhängig von Gedächtnisleistung oder Sprachkompetenz.
Der OLKI (Oldenburger Kinderreimtest) ist ein kindgerechter Sprachverständnistest zur Messung des Sprachverstehens im Störgeräusch. Er wird zur Erfassung der Worterkennungsleistung eingesetzt und ermöglicht eine altersangemessene Beurteilung der Hörleistung unter erschwerten Hörbedingungen.
Der OLKI ist insbesondere für jüngere Kinder geeignet, da er auf kurzen, einsilbigen Reimwörtern basiert und ein geschlossenes Antwortformat verwendet. Durch die Reimstruktur wird das Sprachverstehen unterstützt, gleichzeitig werden jedoch Hörmerkspanne, auditive Merkfähigkeit und phonologische Verarbeitung in die Testleistung einbezogen.
Als Testmaterial dienen Reimwortgruppen (z. B. Ball – Fall – Wall), aus denen das gehörte Wort erkannt und zugeordnet wird. Durch den begrenzten Wortschatz, die spielerische Testgestaltung und die klare phonologische Struktur eignet sich der OLKI besonders für Screening-, Orientierungs- und Verlaufsuntersuchungen im pädaudiologischen Kontext.
Der GÖSA (Göttinger Satztest) ist ein Satzverständnistest zur Erfassung des Sprachverstehens, der sowohl im Ruhe- als auch im Störgeräusch eingesetzt werden kann. Er dient der Beurteilung des satzbezogenen Sprachverstehens und bildet durch seine natürliche Sprachstruktur Hörbedingungen des alltäglichen Sprachverstehens realitätsnah ab.
Der GÖSA ist insbesondere für Jugendliche und Erwachsene geeignet, bei denen eine ausreichend entwickelte Sprachkompetenz, Aufmerksamkeit und auditive Merkfähigkeit vorausgesetzt werden kann. Aufgrund des offenen Wortschatzes und der inhaltlich zusammenhängenden Sätze fließen neben der reinen Hörleistung auch kognitive und sprachliche Faktoren in das Testergebnis ein.
Als Testmaterial verwendet der GÖSA natürliche, alltagssprachliche Sätze mit variabler Satzlänge und semantischem Kontext. Durch die inhaltliche Vorhersagbarkeit, die natürliche Syntax und den offenen Wortschatz ermöglicht der Test eine ökologisch valide Einschätzung des Sprachverstehens, spiegelt jedoch stärker als Matrix- oder Worttests das Zusammenspiel von Hören, Sprachverarbeitung und Gedächtnis wider.
Der WAKO (Wallenberg-Kollmeier-Reimtest) ist ein standardisierter Einsilber-Worttest zur Erfassung des Wortverstehens, der insbesondere im Störgeräusch eingesetzt wird. Er dient der Beurteilung der phonematischen Sprachdeutlichkeit und ermöglicht eine differenzierte Analyse der Lautunterscheidungsfähigkeit unter erschwerten Hörbedingungen.
Der WAKO ist vor allem für Jugendliche und Erwachsene geeignet, bei denen eine ausreichend entwickelte Hörmerkspanne, auditive Merkfähigkeit und phonologische Verarbeitung vorausgesetzt werden kann. Aufgrund der hohen phonematischen Anforderungen und des fehlenden semantischen Kontexts spiegelt das Testergebnis in hohem Maße die reine sprachakustische Verarbeitung wider, während kognitive Kompensationsmechanismen nur eingeschränkt wirksam sind.
Als Testmaterial verwendet der WAKO einsilbige, phonetisch ähnliche Reimwörter, die in einem geschlossenen Antwortformat dargeboten werden. Durch den begrenzten Wortschatz, die hohe Lautähnlichkeit und die fehlende Kontextunterstützung erlaubt der Test eine sehr sensitive Erfassung der Sprachdeutlichkeit, insbesondere bei der Differenzierung von Hörsystemen und der Feinanpassung von Hörhilfen.
Screeningtests
Der AAST (Auditiver Aufmerksamkeitstest) nach Prof. Frans Coninx ist ein audiologisch-neuropsychologischer Funktionstest zur Erfassung der auditiven Aufmerksamkeit und Vigilanz. Er dient der Beurteilung, wie zuverlässig akustische Reize wahrgenommen, verfolgt und selektiv beachtet werden können, und stellt damit eine zentrale Voraussetzung für erfolgreiches Sprachverstehen dar.
Der AAST ist insbesondere für Kinder mit Verdacht auf zentrale Hörverarbeitungs- oder Aufmerksamkeitsstörungen geeignet. Da der Test keine komplexen sprachlichen Inhalte verwendet, ist er weitgehend unabhängig von Sprachkompetenz, Wortschatz und semantischem Kontext und fokussiert gezielt auf die Aufmerksamkeitsleistung im auditiven Kanal.
Als Testmaterial werden einfache akustische Reize bzw. klar definierte Zielsignale eingesetzt, auf die der Proband regelbasiert reagieren muss. Durch die kontrollierte Reizdarbietung, die wiederholte Beanspruchung über einen definierten Zeitraum und den Verzicht auf sprachliche Verarbeitung ermöglicht der AAST eine valide Einschätzung der auditiven Aufmerksamkeit, die als Ergänzung und Interpretationshilfe zu Sprachverständnistests wie OLKI, OLKISA oder GÖSA dient.
Der mFAST (modifizierter Frequency Auditory Selective Attention Test) nach Prof. Frans Coninx ist ein audiologisch-neuropsychologischer Funktionstest zur Erfassung der auditiven selektiven Aufmerksamkeit. Er dient der Beurteilung der Fähigkeit, relevante akustische Reize anhand ihres Frequenzmerkmals gezielt aus gleichzeitig dargebotenen Störreizen herauszufiltern und stellt damit eine zentrale Voraussetzung für erfolgreiches Sprachverstehen im Störgeräusch dar.
Der mFAST ist insbesondere für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geeignet, bei denen der Verdacht auf eingeschränkte selektive Aufmerksamkeit oder zentrale Hörverarbeitungsstörungen besteht. Da der Test keine sprachlichen Inhalte verwendet, ist er unabhängig von Sprachkompetenz, Wortschatz und semantischem Kontext und erlaubt eine gezielte Beurteilung der Filter- und Inhibitionsleistung des auditiven Systems.
Als Testmaterial werden reine Tonreize unterschiedlicher Frequenz gleichzeitig dargeboten, wobei ein definierter Zielreiz aus konkurrierenden Nicht-Zielreizen erkannt werden muss. Durch die gleichzeitige Reizdarbietung, die regelbasierte Zielerkennung und die systematische Variation der Aufmerksamkeitsanforderung ermöglicht der mFAST eine valide Einschätzung der auditiven Selektionsfähigkeit und ergänzt Sprachverständnis- und Aufmerksamkeitstests wie OLKI, OLKISA, GÖSA oder AAST bei der differenzialdiagnostischen Abklärung.
Kategoriale Lautheitsskalierung
Die kategoriale Lautheitsskalierung ist ein etabliertes, objektivierbares Messverfahren zur Erfassung des Lautheitswachstums (Recruitment) bei Schwerhörigkeit. Sie ermöglicht eine differenzierte Beurteilung der Restdynamik über einzelne Frequenzen hinweg und liefert eine fundierte Grundlage für die präzise Anpassung von Hörsystemen – insbesondere im Hinblick auf Dynamikkompression und maximale Ausgangspegel.
Das Verfahren basiert auf der Darbietung schmalbandiger Rauschsignale unterschiedlicher Mittenfrequenzen. Die Signale werden in randomisierter Reihenfolge präsentiert; auch die Pegelvariation erfolgt softwaregesteuert innerhalb eines definierten Bereichs. Die Auswahl der zu testenden Frequenzen kann vorab individuell festgelegt werden. Damit lässt sich die Messung gezielt an die audiologischen Fragestellungen des jeweiligen Patienten anpassen.
Nach jeder Signaldarbietung bewertet der Proband die wahrgenommene Lautheit anhand einer fest definierten, siebenteiligen Skala. Diese reicht von „nicht gehört“ bis „laut“. Die strukturierte Selbsteinschätzung erlaubt eine reproduzierbare Erfassung des individuellen Lautheitsempfindens und bildet die Grundlage für die anschließende Auswertung.
Die Messergebnisse werden für jede getestete Frequenz separat in Diagrammen dargestellt und mit Normbereichen verglichen. Dadurch lassen sich Frequenzbereiche mit eingeschränkter Restdynamik schnell identifizieren. Gerade in diesen Bereichen ist eine exakte Einstellung der Dynamikkompression und die Einhaltung der MPO von zentraler Bedeutung. Anpassungen an Hörsystemen können unmittelbar überprüft und im laufenden Anpassprozess gezielt korrigiert werden.
Nach Abschluss der Anpassung ermöglicht die kategoriale Lautheitsskalierung eine nachvollziehbare Dokumentation der erreichten Verbesserungen und der individuellen Versorgung. Das Verfahren kann mit adaptiver oder nicht-adaptiver Pegelsteuerung durchgeführt werden. Die adaptive Variante erfüllt die Anforderungen der DIN ISO 16832:2007-07 automatisch. Die nicht-adaptive Messung bietet größere Flexibilität, setzt jedoch vertiefte Fachkenntnisse des durchführenden Personals voraus.